Willow
08.01.10, 16:07
Liebe Losties, hier die deutsche Übersetzung des kürzlich erschienen Interviews des "Hollywood Reporters" mit dem Lost-Produzententeam Damon Lindelof und Carlton Cuse:
Fragen und Antworten: Carlton Cuse und Damon Lindelof
Quelle: Hollywoodreporter.com vom 05.Januar 2010
Originalartikel: http://www.hollywoodreporter.com/hr/content_display/features/interviews_profiles/e3i856fd022b069b3fe5545bd8a3005aef8
Macht Euch bereit, noch ein letztes Mal auf die Insel zurückzukehren: Die letzte Staffel von ABC’s „Lost“ wird eine sehr emotionale Reise, die auf vergangene Höhepunkte der Serie mit dem Mittelpunkt des ideologischen Gefechts zwischen Jack Shephard und John Locke zurückblicken wird.
Die meisten großen Fernsehserien müssen an ihrem Ende ein Auf und Ab in ihren Einschaltquoten in Kauf nehmen und zeigen sich ziemlich erschöpft von der Rundfunkgesellschaft, während die Produzenten sich abmühen, nur noch ein paar letzte Stunden über die Runden zu bringen. Da die Lost-Produzenten ABC schon vor Jahren dazu überredeten, die Serie im Jahr 2010 zu ihrem Ende zu bringen, geht das Hit-Drama mit einem Erwartungsgrad so hoch, wie selten bei Fans einer Fernsehserie gesehen, in seine letzte Runde.
Die leitenden Produzenten Carlton Cuse und Damon Lindelof gaben dem Hollywood Reporter ihr erstes Interview mit dem Fokus auf die sechste Staffel. Welche Geheimnisse werden sie offenbaren? Wie werden die Fans auf das Ende reagieren? Und wie sehen die Pläne für Lindelof und Cuse nach dem Ende von „Lost“ aus?
Cuse und Lindelof versichern, daß sie eine zufriedenstellende cliffhänger-freie Lösung geplant haben. Und selbst nach dem Finale im Mai wird es nahezu bestimmt noch mehr von „Lost“ geben.
The Hollywood Reporter: Sie dürfen natürlich nicht über den Inhalt des Endes reden. Aber was glauben Sie, wie es den Fans gefallen wird?
Damon Lindelof: Das ist eine sehr raffinierte Art zu fragen. Es ist schwer, da eine Prognose abzugeben, aber wenn wir uns einer Sache sicher sind, dann der, daß es eine kurzfristige Reaktion auf das Ende geben wird und dann eine zweite, die ein Vermächtnis ist und erst 6 Monate oder ein Jahr später zu Tage kommen wird, wenn man sich die Serie als ganzes betrachtet. Carlton und ich haben gerade gestern versucht, uns daran zu erinnern, wie das Ende der „Sopranos“ überhaupt war – wir konnten uns an kaum was anderes mehr erinnern, als daß Anthony Jr. dem Militär beitreten wollte und einen Autounfall hatte und seine Meinung änderte. Aber wir können uns noch an jeden Augenblick der Diner-Szene erinnern. Was die Leute von unserem Serienende mitnehmen, wird voll und ganz von dem 2-Stunden-Finale abhängen, aber wir hoffen, daß sie in der Lage sein werden, dieses Erlebnis mit den vergangenen sechs vorangegangenen Jahren zu verbinden.
THR: Wie würden Sie diese Staffel beschreiben bezüglich ihres, sagen wir mal, Grundtons? Wie ist der im Vergleich mit den vergangenen Staffeln?
Carlton Cuse: Wir sind der Meinung, sie trifft am besten den Ton der ersten Staffel. Wir gebrauchen diesmal eine andere Erzählweise, von der wir glauben, daß sie einige sehr emotionale und herzliche Geschichten zu gestalten vermag. Und wir wollen, daß die Zuschauer eine Möglichkeit haben, in der finalen Staffel die gesamte Geschichte der Serie zu erinnern. Darum werden auch Schauspieler zurückkommen wie z.B. Dominic [Monaghan] und Ian [Sommerhalder]. Wir hoffen, die Reise zu einem Ende bringen zu können, das sich wie zu einem Kreis schließt, so daß das Ende an den Anfang erinnert.
THR: Gibt es einen ganz bestimmten Charakter, dessen Geschichte in dieser Staffel besonders reflektiert wird?
Cuse: Jack und Locke standen schon immer im Zentrum der Serie, das Dilemma von Glaube gegen Vernunft, und der Konflikt zwischen diesen beiden Charakteren war von Anfang schon an da. Es ist sehr aufregend, diese Beziehung zu einem Ende zu bringen, und das können wir ganz sicher nicht weniger deutlich sagen.
THR: In den vergangenen Jahren kamen "Sopranos," "The Shield," "The Wire" und "Battlestar Galactica" zu ihrem Serienende. Fanden Sie eine von ihnen ganz besonders gut abgeschlossen?
Cuse: Ich persönlich fand, daß keine von ihnen ein besonders schlechtes Ende hatte, sie paßten alle ziemlich gut zu der jeweiligen Geschichte. Shawn Ryan hat mit dem Ende von "The Shield" einen guten Job erledigt,
Lindelof: Am Ende kommt es doch nur darauf an: Ist es ein zufriedenstellendes Ende? Hat man den Zuschauern die emotionale Reise geboten, die ihnen das Gefühl gibt, sie sind zufrieden, sie hatten ein leckeres Essen? Für jede dieser Serien galten andere Kriterien. Am Ende von "The Shield" stand die Frage, ob Vic Mackey seine wohlverdiente Strafe erhalten würde für all die Dinge, die er im Laufe der Serie verbrochen hatte. Mit einer ganz ähnlichen Frage näherten wir uns dem Ende der "Sopranos", aus genau dem Grund fanden sich viele Leute mit dem Ausblenden in nichts als Schwarz unzufrieden, weil sie das Gefühl hatten, die Lösung der Serie müßte darum gehen, was mit Tony Soprano passiert, und diese Frage wurde nicht beantwortet. Beim Ende von "Battlestar" standen 10 verschiedene Dinge auf dem Plan außer der Lösung um die Charaktere. Man muß allein die kühne Verwegenheit bewundern, mit der sie da all das fertigzukriegen versuchten. Davon abgesehen war das Ende von „The Shield“ phänomenal, und dem stimmen fast alle Fans der Serie zu. Wohingegen die anderen Serien – und wahrscheinlich auch wenn es um das Ende von "Lost" geht – da Diskussionen auslösen. "Hat mit das gefallen? Fand ich das gut?"
THR: Lassen Sie das Ende von „Lost“ auf eine zentrale Frage hin auslaufen, die unbedingt beantwortet werden muß?
Lindelof: Die einzige Frage, die uns immer beschäftigt hat, war was passiert mit diesen Leuten. Wie lautet die Lösung für die Charaktere? Damit die Zuschauer das Gefühl haben, das Schicksal der Charaktere hat einen klaren Bogen, einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende, und damit bin ich zufrieden. Das ganze verrückte mythologische Inselzeug … das lieben wir, aber das ist genau so als wenn ein Terrorist Jack Bauer angreift – es ist etwas, das passieren muß, um die Geschichte der Charaktere zu erzählen.
THR: Sie erwähnten eine neue Erzählweise. Ich nehme an, dabei geht es nicht um Rückblicke oder Vorblicke in die Zukunft?
Cuse: Es geht um Musikstücke. Wenn Sie Bollywood-Filme lieben, wird Ihnen diese Staffel gefallen.
Lindelof: Diese Serie ruht sich nie auf ihren Lorbeeren aus. Nicht, weil wir versuchen würden, kunstbeflissen zu sein, aber die Serie verlangt ständig Veränderungen, um die Geschichte am bestmöglichsten erzählen zu können. Wir wissen nun seit ein paar Jahren schon, was wir da tun, und es war eine Menge Arbeit, die Voraussetzungen zu schaffen, damit das alles funktioniert. Und trotzdem fragen wir uns immer noch. Wird es auch wirklich funktionieren. Werden die Zuschauer es verstehen. Wie wird die Reaktion darauf wohl sein?
THR: Da es vor der Staffelpremiere am 2. Februar keine Ausschnitte zu sehen geben wird, können Sie vielleicht etwas erzählen, um die Spannung zu wecken?
Cuse: Wir endeten mit Juliet, die auf den Atomsprengkopf einschlug. Dann gibt es da noch Jacks Prognose, daß die Bombe alle Ereignisse zurücksetzen wird und das Flugzeug überhaupt nie abstürzte. Dann gibt es da noch die Möglichkeit, daß es nicht so funktioniert. Wir wollen, daß die Zuschauer sich über die Konsequenzen, die es haben könnte, daß Juliet auf die Bombe einschlägt, Gedanken machen. Unsere Cliffhanger sind so gestaltet, daß sie die Fragen einrahmen, über die wir die Zuschauer gern nachdenken sehen.
THR: Haben Sie nach so vielen Jahren eine Lieblinsstaffel?
Lindelof: Die erste Staffel ist wahrscheinlich meine Lieblingsstaffel. Man vergißt im Nachhinein all die Mühe, die es kostete, die Serie zu schaffen.
Cuse: Ich würde sagen Staffel 5. Da haben wir mit den Zeitreisen etwas sehr Radikales getan und die Science-Fiction-Wurzeln der Serie wahrgenommen. Wir hatten unsere Bedenken dabei, aber die Tatsache, daß den Leuten die letzte Staffel gefallen hat, war ungeheuer erfreulich.
THR: Haben Sie Pläne für eine neue Serie auf ABC oder irgendwo anders für die nächste Saison?
Lindelof: Nein, die haben wir nicht. Das Leben schlägt mysteriöse Wege ein, aber die letzten 6 Jahre über war es unser Vollzeitjob, 70 bis 80 Stunden pro Woche an Lost zu arbeiten. Die bloße Idee, nun wieder ziellose hin und her zu schwanken, ist für uns nicht sonderlich verlockend. Wenn Lost zu Ende ist, werden wir untertauchen und an einem geheimen Ort eine Weile über alles nachdenken.
Cuse: Ich denke, eine Sache, die ziemlich klar ist, ist daß keiner von uns Lust auf etwas hat, das doof, ausufernd und langandauernd ist. Man muß verschiedene kreative Muskeln trainieren.
Lindelof: Meine Hoffnung ist, ein Ripp-Off anderer erfolgreicher Serien zu machen.
THR: So wie ihre Serie Ripp-Offs erfuhr?
Lindelof: Ganz genau. Vielleicht eine Serie über Vampire, die in einer Werbefirma arbeiten, und einer von ihnen ist ein Serienkiller.
Cuse: Ganz besonders, wenn der Hauptdarsteller Meth kocht.
Lindelof: Oh, daran hatte ich gar nicht gedacht. Das garantiert fast schon einen Emmy. "Breaking Bad Men."
THR: Könnte heutzutage noch jemand den Pilotfilm zu „Lost“ hinkriegen?
Lindelof: Wenn man sich die Entwicklung der Serien im letzten Jahr ansieht, wie z.B. "FlashForward" und "V", diese Serien sind sehr teuer zu produzieren mit der Menge an Hauptdarstellern und ihrer anspruchsvollen Prämisse. Aber was seltsam ist, ist daß sie von Anfang an sehr viel unverhohlener Science-Fiction verkörpern. Von einem lauten Geräusch aus dem Dschungel und der Seltsamkeit von Eisbären auf der Insel mal abgesehen, gab es im Pilotfilm von „Lost“ keinerlei Science-Fiction-Elemente. In "Jaws" sieht man den Hai auch nicht ehe die Hälfte des Films herum ist, Wir sind der Meinung, daß man jetzt eine bessere Chance hat, so etwas wie Lost zu produzieren, weil die Leute sich ihre Science-Fiction geheim wünschen. Wenn man sich einen Indiana Jones Film ansieht, heißt es, das wäre kein Science Fiction, aber du denkst: „Aber ihre Gesichter sind doch weggeschmolzen!"
THR: Sie haben gesagt, Sie werden es David Chase gleichtun und zum Finale die Stadt verlassen. Wie lauten Ihre Pläne?
Cuse: Wir werden uns die letzte Folge hier in L.A. ansehen. Normalerweise veranstalten wir eine kleine private Feier zum Folgenansehen. Wir feiern, indem wir ein Restaurant mieten und riesige Fernseher aufstellen, und danach dann werden wir irgendwohin ins Unbekannte verschwinden.
THR: Wer wird das Drehbuch für die finale Stunde schreiben und Regie führen?
Cuse: Damon und ich werden schreiben. Jack Bender wird Regie führen.
THR: Ist J.J. Abrams auch irgendwie involviert?
Lindleof: Wir werden ihn zur Party einladen. Er hat so ungefähr 10 verschiedene Eisen im Feuer. Sein Beitrag wird genau so einen Umfang haben wie in den vergangenen 5 Jahren – den eines unglaublich unterstützenden Fans, was für uns sehr cool ist.
THR: Wenn Sie zurückblicken, gibt es irgendwas, das Sie gern anders gemacht hätten?
Cuse: Die Reise mußte sich genau so gestalten, wie sie es getan hat. Wir beiden bereuen nichts. Die Bedeutung wird erst im Nachhinein richtig klar werden, und wir befinden uns immer noch mitten auf dem Weg, darum ist die Bedeutung noch nicht vollständig entfaltet.
Lindelof: Es wäre schön, wenn man zurückblicken könnte und sagen: "wir lieben jede einzelne Folge von Lost, und jede Folge wurde genau so, wie wir es wollten." Es gibt da aber unschöne Folgen von "Lost", von denen wir wünschten, wir hätten sie nie geschrieben. Aber hätten wir sie nicht geschrieben, befänden wir uns jetzt in einer anderen Situation, weil uns die Ideen ausgingen, weil wir ins Stocken gerieten und dem Sender dann klar wurde, was wir von Anfang an gesagt hatten: Wir bräuchten ein definitives Enddatum für „Lost“. Und hier sind wir nun sechs Jahre später auf Sendung mit einer Serie, die – zwar nicht mehr das ist was sie mal war (einschaltquotenmäßig) – aber immer noch laufend, und wir enden sie auf unseren eigenen Wunsch, weil wir blöde Folgen dazwischen hatten.
THR: Können Sie ganz definitiv sagen, daß es nach dieser letzten Folge keine andere Produktion zu „Lost“ mehr geben wird, als Film, im Fernsehen, im Internet, irgendwo anders, sondern das war’s?
Cuse: Lost gehört der Walt Disney Co. Die Lizenz ist Milliarden wert. Es ist schwer, sich vorzustellen, daß Lost in einem Regal verstauben soll und nichts je mehr daraus gemacht werden. Irgendwann wird irgend jemand sicher etwas unter dem Namen „Lost“ machen, ob wir das nun sind oder nicht. Wir haben uns einzig auf diese Gruppe von Charakteren verpflichtet, deren Geschichte im kommenden Mai nun ein Ende finden wird.
Lindelof: Es hat auch mal jemand eine Fortsetzung zu „Vom Winde verweht“ gemacht. Manchmal überlebt die Lizenz den Geschichtenerzähler. Diese Edition von Lost endet im kommenden Mai auf ABC, und das ist die Geschichte, die wir erzählen müssen. Sie hat einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende. Dieses Ende wird keinen Cliffhanger haben und auch kein Ende, das die Leute dazu verleitet zu sagen: „Daraus werden sie natürlich noch was machen.“ Wir stehen in keinerlei Verbindung zu einer anderen TV-Serie oder einem Film, aber es wird da ein neuer A-Team-Film rauskommen, um Himmels Willen. Dieses Geschäft lebt von bekannten Gütern. "Tron" ist der am meisten umschwirrte Disney-Film des nächsten Jahres, und der verstaubte 20 Jahre lang vor sich hin. Ich kann mit nicht vorstellen, daß es nicht irgendwann etwas mit „Lost“ und Rauchmonstern und Eisbären und Zeitreisen geben soll.
THR: Ich begann dieses Interview mit der Frage, wie die Fans sich nach dem Ende wohl fühlen werden. Wie werden Sie beide sich fühlen?
Cuse: Das ist wie Weihnachten. Wir haben vor langer Zeit ein tolles Geschenk gekauft und freuen uns, es nun aus den Händen geben zu können -- in diesem Fall den Fans – damit sie es öffnen. Dazu wird ein gewisses Gefühl der Nostalgie kommen und Traurigkeit, so wie wenn man die Weihnachtsdekoration wieder wegräumen muß.
Lindelof: Danach wird es nie mehr Weihnachten geben. Es ist unmöglich zu sagen, wie wir uns am nächsten Tag fühlen werden. Mir kommt es vor wie das Abschlußjahr in meiner Highschool, man hat diese tollen Freundschaften und Verbindungen geschlossen, aber dann geht man zum College, und eine neue Phase des Lebens beginnt.
Übersetzt von Willow
Originalinterview: http://www.hollywoodreporter.com/hr/content_display/features/interviews_profiles/e3i856fd022b069b3fe5545bd8a3005aef8
Fragen und Antworten: Carlton Cuse und Damon Lindelof
Quelle: Hollywoodreporter.com vom 05.Januar 2010
Originalartikel: http://www.hollywoodreporter.com/hr/content_display/features/interviews_profiles/e3i856fd022b069b3fe5545bd8a3005aef8
Macht Euch bereit, noch ein letztes Mal auf die Insel zurückzukehren: Die letzte Staffel von ABC’s „Lost“ wird eine sehr emotionale Reise, die auf vergangene Höhepunkte der Serie mit dem Mittelpunkt des ideologischen Gefechts zwischen Jack Shephard und John Locke zurückblicken wird.
Die meisten großen Fernsehserien müssen an ihrem Ende ein Auf und Ab in ihren Einschaltquoten in Kauf nehmen und zeigen sich ziemlich erschöpft von der Rundfunkgesellschaft, während die Produzenten sich abmühen, nur noch ein paar letzte Stunden über die Runden zu bringen. Da die Lost-Produzenten ABC schon vor Jahren dazu überredeten, die Serie im Jahr 2010 zu ihrem Ende zu bringen, geht das Hit-Drama mit einem Erwartungsgrad so hoch, wie selten bei Fans einer Fernsehserie gesehen, in seine letzte Runde.
Die leitenden Produzenten Carlton Cuse und Damon Lindelof gaben dem Hollywood Reporter ihr erstes Interview mit dem Fokus auf die sechste Staffel. Welche Geheimnisse werden sie offenbaren? Wie werden die Fans auf das Ende reagieren? Und wie sehen die Pläne für Lindelof und Cuse nach dem Ende von „Lost“ aus?
Cuse und Lindelof versichern, daß sie eine zufriedenstellende cliffhänger-freie Lösung geplant haben. Und selbst nach dem Finale im Mai wird es nahezu bestimmt noch mehr von „Lost“ geben.
The Hollywood Reporter: Sie dürfen natürlich nicht über den Inhalt des Endes reden. Aber was glauben Sie, wie es den Fans gefallen wird?
Damon Lindelof: Das ist eine sehr raffinierte Art zu fragen. Es ist schwer, da eine Prognose abzugeben, aber wenn wir uns einer Sache sicher sind, dann der, daß es eine kurzfristige Reaktion auf das Ende geben wird und dann eine zweite, die ein Vermächtnis ist und erst 6 Monate oder ein Jahr später zu Tage kommen wird, wenn man sich die Serie als ganzes betrachtet. Carlton und ich haben gerade gestern versucht, uns daran zu erinnern, wie das Ende der „Sopranos“ überhaupt war – wir konnten uns an kaum was anderes mehr erinnern, als daß Anthony Jr. dem Militär beitreten wollte und einen Autounfall hatte und seine Meinung änderte. Aber wir können uns noch an jeden Augenblick der Diner-Szene erinnern. Was die Leute von unserem Serienende mitnehmen, wird voll und ganz von dem 2-Stunden-Finale abhängen, aber wir hoffen, daß sie in der Lage sein werden, dieses Erlebnis mit den vergangenen sechs vorangegangenen Jahren zu verbinden.
THR: Wie würden Sie diese Staffel beschreiben bezüglich ihres, sagen wir mal, Grundtons? Wie ist der im Vergleich mit den vergangenen Staffeln?
Carlton Cuse: Wir sind der Meinung, sie trifft am besten den Ton der ersten Staffel. Wir gebrauchen diesmal eine andere Erzählweise, von der wir glauben, daß sie einige sehr emotionale und herzliche Geschichten zu gestalten vermag. Und wir wollen, daß die Zuschauer eine Möglichkeit haben, in der finalen Staffel die gesamte Geschichte der Serie zu erinnern. Darum werden auch Schauspieler zurückkommen wie z.B. Dominic [Monaghan] und Ian [Sommerhalder]. Wir hoffen, die Reise zu einem Ende bringen zu können, das sich wie zu einem Kreis schließt, so daß das Ende an den Anfang erinnert.
THR: Gibt es einen ganz bestimmten Charakter, dessen Geschichte in dieser Staffel besonders reflektiert wird?
Cuse: Jack und Locke standen schon immer im Zentrum der Serie, das Dilemma von Glaube gegen Vernunft, und der Konflikt zwischen diesen beiden Charakteren war von Anfang schon an da. Es ist sehr aufregend, diese Beziehung zu einem Ende zu bringen, und das können wir ganz sicher nicht weniger deutlich sagen.
THR: In den vergangenen Jahren kamen "Sopranos," "The Shield," "The Wire" und "Battlestar Galactica" zu ihrem Serienende. Fanden Sie eine von ihnen ganz besonders gut abgeschlossen?
Cuse: Ich persönlich fand, daß keine von ihnen ein besonders schlechtes Ende hatte, sie paßten alle ziemlich gut zu der jeweiligen Geschichte. Shawn Ryan hat mit dem Ende von "The Shield" einen guten Job erledigt,
Lindelof: Am Ende kommt es doch nur darauf an: Ist es ein zufriedenstellendes Ende? Hat man den Zuschauern die emotionale Reise geboten, die ihnen das Gefühl gibt, sie sind zufrieden, sie hatten ein leckeres Essen? Für jede dieser Serien galten andere Kriterien. Am Ende von "The Shield" stand die Frage, ob Vic Mackey seine wohlverdiente Strafe erhalten würde für all die Dinge, die er im Laufe der Serie verbrochen hatte. Mit einer ganz ähnlichen Frage näherten wir uns dem Ende der "Sopranos", aus genau dem Grund fanden sich viele Leute mit dem Ausblenden in nichts als Schwarz unzufrieden, weil sie das Gefühl hatten, die Lösung der Serie müßte darum gehen, was mit Tony Soprano passiert, und diese Frage wurde nicht beantwortet. Beim Ende von "Battlestar" standen 10 verschiedene Dinge auf dem Plan außer der Lösung um die Charaktere. Man muß allein die kühne Verwegenheit bewundern, mit der sie da all das fertigzukriegen versuchten. Davon abgesehen war das Ende von „The Shield“ phänomenal, und dem stimmen fast alle Fans der Serie zu. Wohingegen die anderen Serien – und wahrscheinlich auch wenn es um das Ende von "Lost" geht – da Diskussionen auslösen. "Hat mit das gefallen? Fand ich das gut?"
THR: Lassen Sie das Ende von „Lost“ auf eine zentrale Frage hin auslaufen, die unbedingt beantwortet werden muß?
Lindelof: Die einzige Frage, die uns immer beschäftigt hat, war was passiert mit diesen Leuten. Wie lautet die Lösung für die Charaktere? Damit die Zuschauer das Gefühl haben, das Schicksal der Charaktere hat einen klaren Bogen, einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende, und damit bin ich zufrieden. Das ganze verrückte mythologische Inselzeug … das lieben wir, aber das ist genau so als wenn ein Terrorist Jack Bauer angreift – es ist etwas, das passieren muß, um die Geschichte der Charaktere zu erzählen.
THR: Sie erwähnten eine neue Erzählweise. Ich nehme an, dabei geht es nicht um Rückblicke oder Vorblicke in die Zukunft?
Cuse: Es geht um Musikstücke. Wenn Sie Bollywood-Filme lieben, wird Ihnen diese Staffel gefallen.
Lindelof: Diese Serie ruht sich nie auf ihren Lorbeeren aus. Nicht, weil wir versuchen würden, kunstbeflissen zu sein, aber die Serie verlangt ständig Veränderungen, um die Geschichte am bestmöglichsten erzählen zu können. Wir wissen nun seit ein paar Jahren schon, was wir da tun, und es war eine Menge Arbeit, die Voraussetzungen zu schaffen, damit das alles funktioniert. Und trotzdem fragen wir uns immer noch. Wird es auch wirklich funktionieren. Werden die Zuschauer es verstehen. Wie wird die Reaktion darauf wohl sein?
THR: Da es vor der Staffelpremiere am 2. Februar keine Ausschnitte zu sehen geben wird, können Sie vielleicht etwas erzählen, um die Spannung zu wecken?
Cuse: Wir endeten mit Juliet, die auf den Atomsprengkopf einschlug. Dann gibt es da noch Jacks Prognose, daß die Bombe alle Ereignisse zurücksetzen wird und das Flugzeug überhaupt nie abstürzte. Dann gibt es da noch die Möglichkeit, daß es nicht so funktioniert. Wir wollen, daß die Zuschauer sich über die Konsequenzen, die es haben könnte, daß Juliet auf die Bombe einschlägt, Gedanken machen. Unsere Cliffhanger sind so gestaltet, daß sie die Fragen einrahmen, über die wir die Zuschauer gern nachdenken sehen.
THR: Haben Sie nach so vielen Jahren eine Lieblinsstaffel?
Lindelof: Die erste Staffel ist wahrscheinlich meine Lieblingsstaffel. Man vergißt im Nachhinein all die Mühe, die es kostete, die Serie zu schaffen.
Cuse: Ich würde sagen Staffel 5. Da haben wir mit den Zeitreisen etwas sehr Radikales getan und die Science-Fiction-Wurzeln der Serie wahrgenommen. Wir hatten unsere Bedenken dabei, aber die Tatsache, daß den Leuten die letzte Staffel gefallen hat, war ungeheuer erfreulich.
THR: Haben Sie Pläne für eine neue Serie auf ABC oder irgendwo anders für die nächste Saison?
Lindelof: Nein, die haben wir nicht. Das Leben schlägt mysteriöse Wege ein, aber die letzten 6 Jahre über war es unser Vollzeitjob, 70 bis 80 Stunden pro Woche an Lost zu arbeiten. Die bloße Idee, nun wieder ziellose hin und her zu schwanken, ist für uns nicht sonderlich verlockend. Wenn Lost zu Ende ist, werden wir untertauchen und an einem geheimen Ort eine Weile über alles nachdenken.
Cuse: Ich denke, eine Sache, die ziemlich klar ist, ist daß keiner von uns Lust auf etwas hat, das doof, ausufernd und langandauernd ist. Man muß verschiedene kreative Muskeln trainieren.
Lindelof: Meine Hoffnung ist, ein Ripp-Off anderer erfolgreicher Serien zu machen.
THR: So wie ihre Serie Ripp-Offs erfuhr?
Lindelof: Ganz genau. Vielleicht eine Serie über Vampire, die in einer Werbefirma arbeiten, und einer von ihnen ist ein Serienkiller.
Cuse: Ganz besonders, wenn der Hauptdarsteller Meth kocht.
Lindelof: Oh, daran hatte ich gar nicht gedacht. Das garantiert fast schon einen Emmy. "Breaking Bad Men."
THR: Könnte heutzutage noch jemand den Pilotfilm zu „Lost“ hinkriegen?
Lindelof: Wenn man sich die Entwicklung der Serien im letzten Jahr ansieht, wie z.B. "FlashForward" und "V", diese Serien sind sehr teuer zu produzieren mit der Menge an Hauptdarstellern und ihrer anspruchsvollen Prämisse. Aber was seltsam ist, ist daß sie von Anfang an sehr viel unverhohlener Science-Fiction verkörpern. Von einem lauten Geräusch aus dem Dschungel und der Seltsamkeit von Eisbären auf der Insel mal abgesehen, gab es im Pilotfilm von „Lost“ keinerlei Science-Fiction-Elemente. In "Jaws" sieht man den Hai auch nicht ehe die Hälfte des Films herum ist, Wir sind der Meinung, daß man jetzt eine bessere Chance hat, so etwas wie Lost zu produzieren, weil die Leute sich ihre Science-Fiction geheim wünschen. Wenn man sich einen Indiana Jones Film ansieht, heißt es, das wäre kein Science Fiction, aber du denkst: „Aber ihre Gesichter sind doch weggeschmolzen!"
THR: Sie haben gesagt, Sie werden es David Chase gleichtun und zum Finale die Stadt verlassen. Wie lauten Ihre Pläne?
Cuse: Wir werden uns die letzte Folge hier in L.A. ansehen. Normalerweise veranstalten wir eine kleine private Feier zum Folgenansehen. Wir feiern, indem wir ein Restaurant mieten und riesige Fernseher aufstellen, und danach dann werden wir irgendwohin ins Unbekannte verschwinden.
THR: Wer wird das Drehbuch für die finale Stunde schreiben und Regie führen?
Cuse: Damon und ich werden schreiben. Jack Bender wird Regie führen.
THR: Ist J.J. Abrams auch irgendwie involviert?
Lindleof: Wir werden ihn zur Party einladen. Er hat so ungefähr 10 verschiedene Eisen im Feuer. Sein Beitrag wird genau so einen Umfang haben wie in den vergangenen 5 Jahren – den eines unglaublich unterstützenden Fans, was für uns sehr cool ist.
THR: Wenn Sie zurückblicken, gibt es irgendwas, das Sie gern anders gemacht hätten?
Cuse: Die Reise mußte sich genau so gestalten, wie sie es getan hat. Wir beiden bereuen nichts. Die Bedeutung wird erst im Nachhinein richtig klar werden, und wir befinden uns immer noch mitten auf dem Weg, darum ist die Bedeutung noch nicht vollständig entfaltet.
Lindelof: Es wäre schön, wenn man zurückblicken könnte und sagen: "wir lieben jede einzelne Folge von Lost, und jede Folge wurde genau so, wie wir es wollten." Es gibt da aber unschöne Folgen von "Lost", von denen wir wünschten, wir hätten sie nie geschrieben. Aber hätten wir sie nicht geschrieben, befänden wir uns jetzt in einer anderen Situation, weil uns die Ideen ausgingen, weil wir ins Stocken gerieten und dem Sender dann klar wurde, was wir von Anfang an gesagt hatten: Wir bräuchten ein definitives Enddatum für „Lost“. Und hier sind wir nun sechs Jahre später auf Sendung mit einer Serie, die – zwar nicht mehr das ist was sie mal war (einschaltquotenmäßig) – aber immer noch laufend, und wir enden sie auf unseren eigenen Wunsch, weil wir blöde Folgen dazwischen hatten.
THR: Können Sie ganz definitiv sagen, daß es nach dieser letzten Folge keine andere Produktion zu „Lost“ mehr geben wird, als Film, im Fernsehen, im Internet, irgendwo anders, sondern das war’s?
Cuse: Lost gehört der Walt Disney Co. Die Lizenz ist Milliarden wert. Es ist schwer, sich vorzustellen, daß Lost in einem Regal verstauben soll und nichts je mehr daraus gemacht werden. Irgendwann wird irgend jemand sicher etwas unter dem Namen „Lost“ machen, ob wir das nun sind oder nicht. Wir haben uns einzig auf diese Gruppe von Charakteren verpflichtet, deren Geschichte im kommenden Mai nun ein Ende finden wird.
Lindelof: Es hat auch mal jemand eine Fortsetzung zu „Vom Winde verweht“ gemacht. Manchmal überlebt die Lizenz den Geschichtenerzähler. Diese Edition von Lost endet im kommenden Mai auf ABC, und das ist die Geschichte, die wir erzählen müssen. Sie hat einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende. Dieses Ende wird keinen Cliffhanger haben und auch kein Ende, das die Leute dazu verleitet zu sagen: „Daraus werden sie natürlich noch was machen.“ Wir stehen in keinerlei Verbindung zu einer anderen TV-Serie oder einem Film, aber es wird da ein neuer A-Team-Film rauskommen, um Himmels Willen. Dieses Geschäft lebt von bekannten Gütern. "Tron" ist der am meisten umschwirrte Disney-Film des nächsten Jahres, und der verstaubte 20 Jahre lang vor sich hin. Ich kann mit nicht vorstellen, daß es nicht irgendwann etwas mit „Lost“ und Rauchmonstern und Eisbären und Zeitreisen geben soll.
THR: Ich begann dieses Interview mit der Frage, wie die Fans sich nach dem Ende wohl fühlen werden. Wie werden Sie beide sich fühlen?
Cuse: Das ist wie Weihnachten. Wir haben vor langer Zeit ein tolles Geschenk gekauft und freuen uns, es nun aus den Händen geben zu können -- in diesem Fall den Fans – damit sie es öffnen. Dazu wird ein gewisses Gefühl der Nostalgie kommen und Traurigkeit, so wie wenn man die Weihnachtsdekoration wieder wegräumen muß.
Lindelof: Danach wird es nie mehr Weihnachten geben. Es ist unmöglich zu sagen, wie wir uns am nächsten Tag fühlen werden. Mir kommt es vor wie das Abschlußjahr in meiner Highschool, man hat diese tollen Freundschaften und Verbindungen geschlossen, aber dann geht man zum College, und eine neue Phase des Lebens beginnt.
Übersetzt von Willow
Originalinterview: http://www.hollywoodreporter.com/hr/content_display/features/interviews_profiles/e3i856fd022b069b3fe5545bd8a3005aef8